Solarenergie in der Tschechischen Republik 2010

Quelle: Germany Trade & Invest, April 2010

Die natürlichen Rahmenbedingungen für die Nutzung von Solarenergie in der Tschechischen Republik ähneln denen in Deutschland: Im Schnitt scheint die Sonne dort 1.460 Stunden im Jahr (in Deutschland 1.550). Besonders gut sind die Einstrahlungsbedingungen in Südmähren und Südböhmen. Dementsprechend sind hier die Anteile an der landesweit installierten Nennleistung mit 27,3 Prozent bzw. 13,2 Prozent am höchsten.

Die Verabschiedung eines an das deutsche EEG angelehnten Erneuerbare-Energien-Gesetzes (Nr. 180/2005 Sb.) bildete 2005 den Startschuss für den tschechischen Solarmarkt. Dieses Gesetz sieht eine grundsätzliche Anschluss- und Abnahmeverpflichtung sowie die Einspeisevergütung oder alternativ die Zahlung eines 'grünen Bonus' durch den regionalen Netzbetreiber vor. Die jeweils im Jahr des Anschlusses gültige Einspeisevergütung wird für einen Zeitraum von 20 Jahren garantiert. Eine Steuerbefreiung der Solaranlage erfolgt fünf Jahre nach Anschluss. Spätestens bis zum 30.11. eines Jahres legt die Energieregulierungsbehörde die Einspeisetarife für das Folgejahr fest. Die Photovoltaik-Einspeisevergütung ist in zwei Kategorien differenziert.

Für 2010 gelten folgende Tarife:

installierte Nennleistung
Vergütung in Kč/kWh
bis 30 kW
12,25 Kč/kWh (0,4867 EUR)
über 30 kW    12,15 Kč/kWh (0,4827 EUR)  

Alternativ ist ein grüner Bonus auf den variablen Handelspreis zu wählen:

installierte Nennleistung
Vergütung in Kč/kWh
bis 30 kW
11,28 Kč/kWh (0,4482 EUR)
über 30 kW 
11,18 Kč/kWh (0,4442 EUR)

Über die nationalen Förderungen hinaus werden Solaranlagen in der Tschechischen Republik auch mit EU-Mitteln subventioniert.
Tschechien ist hauptsächlich ein Markt für netzgebundene PV-Systeme, der Off-grid-Sektor ist kaum von Bedeutung. In dem Photovoltaik-Boom, der schon seit 2009 festzustellen ist und auch 2010 nicht nachgelassen hat, dominieren Freiflächen-Anlagen klar mit 90 Prozent Anteil an der installierten Leistung. Projektankündigungen lassen darauf schließen, dass etwa drei Dutzend solcher großen Solarparks 2010 noch gebaut werden könnten. Politisch ist die stärkere Entwicklung des Aufdach-Photovoltaiksektors gewünscht. Er wird in Zukunft das Segment sein, das weiterhin ein solides Geschäft verspricht, auch für deutsche Technologieanbieter, Systemintegratoren und Projektierer.

Im April 2010 waren in der Tschechischen Republik über 7.000 Photovoltaik-Anlagen mit einer Nennleistung von rund 500 MW installiert, die sich laut Prognosen bis zum Jahresende noch einmal verdoppeln könnte. Ein Jahr zuvor hatte die installierte Kapazität erst im zweistelligen MW-Bereich gelegen. Motor der Entwicklung sind die Energie- und Klimaschutzvorgaben der EU, die zu entsprechenden nationalen Rahmenbedingungen geführt haben. Im Jahr 2010 will Tschechien den Anteil erneuerbarer Energien am Bruttostromverbrauch auf 8 Prozent steigern, 2020 auf 13 Prozent. Die CO2-Emissionen sollen bis 2020 auf 106 Mio. t gesenkt werden (2008: 121 Mio. t). Schätzungen zufolge soll in Tschechien der Solarstrom eine Preisparität mit konventionellem Strom zwischen 2020 und 2025 erreichen.

Entwicklung des tschechischen PV-Markts (installierte Leistung in MW; Zuwachs in %)

 
2007
2008
2009
2010
Stand der installierten Nennleistung *)
0,4
3,4
54,3
465,3
Wachstum des Zubaus im Vergleich zum Vorjahr
133 %
769 %
1.487 %
757 %
Zahl der PV-Anlagen
28
249
1.214
6.013

*) Stand jeweils zum 01.01. des Jahres
Quelle: Energieregulierungsbehörde, Berechnungen von Germany Trade & Invest


Ab 2011 könnte die Dynamik des tschechischen Photovoltaik-Markts abnehmen. Eine Gesetzesänderung macht ab 01.01.2011 eine Absenkung der Einspeisetarife für neu ans Netz angeschlossene Anlagen möglich. Die Änderung soll drohende Netzinstabilitäten sowie unkontrollierbare Preissteigerungen für den Verbraucher verhindern. Daher ist die weitere Entwicklung in Tschechien bis dato kaum abzuschätzen. Doch auch trotz einer stärkeren Absenkung kann der Markt attraktiv bleiben. Der Verband der Photovoltaik-Industrie ist der Ansicht, dass sich selbst bei einer Senkung der Einspeisevergütung um 20 bis 30 Prozent immer noch Investoren finden lassen. Eine Marktberuhigung wird sogar begrüßt, weil viele der bislang blockierten Netzkapazitäten sowie spekulativ reservierte Grundstücksflächen wieder auf den Markt zurückkommen könnten.

Aktuell sind Hunderte von internationalen und nationalen Solarfirmen aus der gesamten Wertschöpfungskette im tschechischen PV-Markt aktiv. Deutsche Anbieter von Produkten und Lösungen im Bereich der Solarstromerzeugung haben durch die geographische Nähe und den Erfahrungsvorsprung gute Chancen. Deutsche Modulhersteller sind indes mit einer starken Konkurrenz durch chinesische Anbieter konfrontiert.
Tschechische Republik, Einstrahlungskarte
 
Bild vergrößern