Die eine Zahl, die alles bestimmt
Jede elektrische Direktheizung wandelt Strom vollständig in Wärme um. Das klingt nach einem Spitzenwert und ist zugleich die Obergrenze: Aus einer Kilowattstunde Strom wird genau eine Kilowattstunde Wärme, nicht mehr.
Der Vergleich fällt deshalb nicht über den Wirkungsgrad, sondern über die Quelle. Eine Wärmepumpe nimmt dieselbe Kilowattstunde, holt Umweltwärme dazu und liefert drei bis vier. Bei gleichem Arbeitspreis bedeutet das den drei- bis vierfachen Betrag für dieselbe Wärmemenge. Diese Rechnung steht am Anfang jeder Entscheidung für eine Elektroheizung — und sie schließt sie in genau drei Fällen nicht aus.
Wo Strom als Wärmequelle trägt
- Wenig Betriebsstunden. Gästezimmer, Werkstatt, Hobbyraum: Wo an dreißig Tagen im Jahr geheizt wird, entscheidet die Anschaffung, nicht der Verbrauch.
- Kein Anschluss möglich. Anbau, Wintergarten, Gartenhaus, denkmalgeschützte Substanz — überall dort, wo keine Leitung hingelegt werden kann oder darf.
- Sehr kleiner Wärmebedarf. Ein Passivhaus mit 15 Kilowattstunden je Quadratmeter und Jahr braucht so wenig, dass sich die Anlagentechnik einer Wärmepumpe nicht amortisiert.
Kosten je Kilowattstunde Wärme nach Wärmequelle
Die Bauarten im Vergleich
| Bauart | Leistung | Wärmeabgabe | Passt für |
|---|---|---|---|
| Konvektor | 500–2.000 W | Luft | Zuheizung, schnelle Wirkung |
| Infrarotpaneel | 300–1.100 W | Strahlung | Wohnraum, Bad, Dauerplatz |
| Ölradiator | 800–2.500 W | Strahlung und Luft | gleichmäßige Wärme, träge |
| Nachtspeicherofen | 2.000–6.000 W | Luft, zeitversetzt | nur mit echtem Nachttarif |
| Heizlüfter | 1.000–2.000 W | Luft, mit Gebläse | Minuten, nicht Stunden |
| Elektrische Fußbodenheizung | 100–150 W/m² | Fläche | Bad, kleine Räume |
Anschlussleistung nach Bauart — Skala 0 bis 6.000 W
Der Konvektor ist die einfachste Bauform: ein Heizdraht, an dem Luft entlangstreicht und aufsteigt. Er wirkt schnell, verteilt die Wärme aber ungleichmäßig und wirbelt Staub auf. Das Infrarotpaneel arbeitet umgekehrt: Es erwärmt Flächen statt Luft, wirkt dadurch bei gleicher Lufttemperatur wärmer und ist der einzige elektrische Typ, der sich als feste Raumheizung eignet.
Der Heizlüfter gehört in eine eigene Kategorie. Er ist laut, trocknet die Luft und verbraucht viel, hat aber einen berechtigten Zweck: eine Werkstatt für zwanzig Minuten auf Arbeitstemperatur bringen. Als Dauerlösung ist er das teuerste Gerät in dieser Tabelle.
Nachtspeicher: warum die Rechnung gekippt ist
Ein Nachtspeicherofen lädt einen Schamottekern in den Nachtstunden auf und gibt die Wärme über den Tag ab. Das Konzept stammt aus einer Zeit, in der Nachtstrom deutlich günstiger war, weil Grundlastkraftwerke nicht abregelbar waren.
Diese Voraussetzung ist weitgehend entfallen. Ohne einen echten Zweitarifzähler und einen spürbar niedrigeren Nachttarif heizt der Ofen zum vollen Arbeitspreis — und speichert die Wärme zusätzlich mit Verlusten, weil ein Teil davon über den Tag ungenutzt in den Raum abgegeben wird, auch wenn niemand da ist. Wo solche Öfen noch stehen, lohnt der Blick in den Vertrag, bevor über Ersatz nachgedacht wird.
Anschlussleistung, Absicherung und Steckdose
Ein üblicher Wohnungsstromkreis ist mit 16 Ampere abgesichert und trägt damit rund 3.600 Watt für alles, was daran hängt. Ein Gerät mit 2.000 Watt füllt ihn zusammen mit einem Wasserkocher bereits aus.
- Bis etwa 1.000 Watt: Schutzkontaktsteckdose, unkritisch.
- 1.000 bis 2.000 Watt: eigener Kreis empfehlenswert, keine Verlängerung, keine Mehrfachsteckdose.
- Mehrere Geräte oder Festanschluss: Sache der Elektrofachkraft; Verteiler und Leitungsquerschnitt sind zu prüfen.
- Im Bad: Fehlerstromschutzschalter zwingend, dazu die Schutzbereiche nach VDE 0100-701.
Was der Betrieb kostet
Die Rechnung ist kurz: Leistung mal Laufzeit mal Arbeitspreis. Ein Gerät mit 1.500 Watt, das an einem kalten Tag fünf Stunden effektiv läuft, verbraucht 7,5 Kilowattstunden. Bei einem Arbeitspreis im Bereich von 30 bis 40 Cent sind das rund 2,25 bis 3,00 Euro — für einen Raum, an einem Tag.
Über eine Heizperiode mit hundert solcher Tage summiert sich das auf 225 bis 300 Euro je Raum. Genau diese Zahl trennt die drei sinnvollen Fälle oben vom Rest: Bei dreißig Tagen Nutzung sind es unter hundert Euro, bei täglichem Dauerbetrieb im ganzen Haus ein Vielfaches dessen, was eine andere Anlage kostet. Ein Vergleich der Systeme steht im Überblick über die Heizsysteme.
Regelung: der Unterschied zwischen teuer und tragbar
Bei einer Direktheizung entscheidet die Laufzeit über die Rechnung, und die Laufzeit entscheidet die Regelung. Ein Gerät ohne Thermostat läuft durch, bis jemand es abschaltet — und das ist regelmäßig Stunden später als nötig.
- Raumthermostat statt Leistungsstufe. Ein Drehknopf mit „1 bis 5" regelt die Leistung, nicht die Temperatur. Er schaltet nie ab.
- Wochenprogramm. Ein Gästezimmer braucht Wärme an zwölf Abenden im Jahr; ein Bad an dreißig Morgen für je vierzig Minuten. Beides lässt sich programmieren.
- Fühlerort. Nicht über dem Gerät, nicht neben der Tür, nicht in der Sonne — sonst misst der Fühler seine eigene Umgebung statt des Raums.
- Fensterkontakt oder Absenkung bei offenem Fenster. Bei Direktheizungen der Punkt mit dem größten Einzeleffekt, weil das Gerät sonst gegen die Lüftung anheizt.
Elektrisch heizen mit eigenem Solarstrom
Die Kombination liegt nahe und trägt trotzdem nur teilweise. Der Ertrag einer Hausanlage ist im Juni am größten und im Dezember am kleinsten — der Wärmebedarf genau umgekehrt. In der Heizperiode deckt eine typische Dachanlage nur einen kleinen Teil des Heizstroms.
Nutzbar bleibt sie in der Übergangszeit: Ein Raum, der im März vormittags zwei Stunden Wärme braucht, kann sie aus dem eigenen Ertrag bekommen. Ein Batteriespeicher verschiebt Strom über die Nacht, nicht über die Jahreszeit — für den Januar ändert er wenig. Wer die Kombination plant, rechnet mit dem Winteranteil, nicht mit dem Jahresmittel.
Sinnvoll ist deshalb die umgekehrte Reihenfolge: erst prüfen, wie viele Stunden im Jahr der Raum tatsächlich beheizt wird, dann die Anlage danach auslegen. Ein Gerät, das in der Übergangszeit zwanzig Vormittage aus eigenem Ertrag läuft und im Januar kalt bleibt, weil der Raum dann ohnehin nicht genutzt wird, ist eine gute Lösung. Dasselbe Gerät als Dauerheizung im gleichen Haus ist es nicht — an der Technik hat sich nichts geändert, nur an der Nutzung. Genau diese Unterscheidung fehlt in den meisten Vergleichen, die eine Bauart pauschal für gut oder schlecht erklären.
Alte Nachtspeicheröfen: erst prüfen, dann anfassen
Nachtspeicheröfen aus der Zeit vor 1984 können Asbest enthalten — in der Dämmung um den Schamottekern, in Dichtschnüren und in Isolierplatten. Solange das Gerät geschlossen ist, geht davon keine Gefahr aus. Sie entsteht beim Öffnen, beim Ausbau und beim Transport, weil dabei Fasern frei werden.
Praktisch heißt das: Ein alter Nachtspeicherofen wird nicht selbst zerlegt und nicht auf den Wertstoffhof gefahren. Das Typenschild nennt Hersteller, Typ und Baujahr; damit lässt sich beim Hersteller oder über die Asbest-Datenbanken der Länder klären, ob das Modell betroffen ist. Ist es unklar oder betroffen, übernimmt ein Fachbetrieb mit Sachkundenachweis nach TRGS 519 den Ausbau und die Entsorgung. Die Kosten liegen deutlich über denen einer normalen Altgeräteentsorgung und gehören in jede Kalkulation, die einen Systemwechsel plant.
Geräte ab etwa Mitte der Achtziger sind in der Regel asbestfrei und tragen häufig eine entsprechende Kennzeichnung. Auch sie sind Elektroaltgeräte und gehören nicht in den Restmüll.
Frostschutz statt Heizung: Werkstatt, Gartenhaus, Ferienhaus
Der häufigste sinnvolle Einsatz einer Elektroheizung ist kein Wohnraum, sondern ein Gebäude, das im Winter nur nicht einfrieren soll. Hier zählt nicht Komfort, sondern eine Untergrenze — und die lässt sich mit sehr wenig Leistung halten.
- Zielwert 5 bis 8 Grad. Das reicht, damit Wasserleitungen, Farben, Akkus und Konserven überstehen. Jedes Grad darüber kostet ohne Gegenwert.
- Frostwächter statt Raumthermostat. Ein einfaches Gerät mit fester Schwelle um 5 Grad ist genauer als ein Drehknopf mit Zahlen von 1 bis 5.
- Leitungen zuerst. Ein Rohrbegleitheizband an der gefährdeten Leitung verbraucht einen Bruchteil dessen, was das Beheizen des ganzen Raums kostet. Wo das möglich ist, ersetzt es die Raumheizung vollständig.
- Entleeren schlägt beides. Ein Gartenhaus mit abgesperrter und entleerter Wasserleitung braucht im Winter gar keine Energie.
Für eine Werkstatt mit gelegentlicher Nutzung ist die Kombination aus Frostwächter im Dauerbetrieb und einem Heizlüfter oder Infrarotstrahler für die Arbeitszeit die günstigste Lösung. Der Frostwächter hält die Substanz, der Strahler wärmt die Person — und nur dann, wenn jemand da ist. Eine Raumheizung, die eine ungedämmte Halle auf 20 Grad bringen soll, ist bei Strompreisen im Bereich von 30 bis 40 Cent je Kilowattstunde in keinem Szenario wirtschaftlich. Wer die Laufzeit begrenzen will, statt den Preis zu suchen, findet den Weg unter Zeitschaltuhr einstellen. Eine Gegenrechnung mit aktuellen Tarifen steht im Ratgeber zur Elektroheizung von FinanceScout24.
Zähler, Tarif und die Frage der Absicherung
Wer mehr als ein einzelnes Gerät betreibt, stößt schnell auf den Zähler. Ein Wärmestromtarif ist im Arbeitspreis günstiger als Haushaltsstrom, verlangt aber eine getrennte Messung — entweder einen zweiten Zähler oder einen Doppeltarifzähler — und akzeptiert Sperrzeiten des Netzbetreibers. Für eine Direktheizung ohne Speichermasse sind diese Sperrzeiten spürbar, weil die Wärme sofort ausbleibt; für einen Speicherofen oder eine Fußbodenheizung mit Estrichmasse sind sie überbrückbar.
Der zweite Punkt ist der Verteiler. Nach § 14a des Energiewirtschaftsgesetzes gelten für steuerbare Verbrauchseinrichtungen ab einer bestimmten Anschlussleistung eigene Regeln, die Netzbetreiber im Gegenzug zu reduzierten Netzentgelten anwenden. Ob eine Elektroheizung darunter fällt, hängt an ihrer Leistung und an der Ausführung. Die Auskunft gibt der örtliche Netzbetreiber; sie steht vor dem Kauf, nicht danach, weil sie über den Zählerplatz und damit über einen Teil der Installationskosten entscheidet.
Bei Mietwohnungen kommt eine dritte Ebene dazu. Eine fest angeschlossene Elektroheizung ist eine bauliche Veränderung und braucht die Zustimmung des Vermieters; ein Steckergerät nicht. Wer eine vorhandene Nachtspeicheranlage übernimmt, sollte vor Vertragsschluss klären, wer den Zähler stellt und welcher Tarif darauf liegt — die Betriebskosten einer solchen Wohnung hängen stärker an dieser Frage als an der Dämmung.
Bleibt eine Faustregel, die alle Bauformen überspannt und die vor jeder Kaufentscheidung steht: Eine Direktheizung ist dort richtig, wo die Zahl der Betriebsstunden klein und die Investition in eine Leitung groß wäre. Sobald sich dieses Verhältnis umkehrt — täglicher Betrieb, mehrere Räume, ein vorhandener Wasserkreis in Reichweite — kippt die Rechnung, und zwar nicht knapp. Wer die eigenen Betriebsstunden vorher ehrlich schätzt, trifft die Entscheidung in fünf Minuten und braucht keinen Vergleich von Geräten.
Zeitweises Heizen, Feuchte und die kalte Wand
Direktheizungen werden fast immer zeitweise betrieben — ein Raum wird warm gemacht, wenn er gebraucht wird, und läuft sonst kalt. Genau dieses Muster hat eine Nebenwirkung, die mit Strom nichts zu tun hat und trotzdem regelmäßig auf das Heizgerät geschoben wird: Feuchte schlägt sich an der kältesten Fläche im Raum nieder.
Der Zusammenhang ist einfach. Warme Luft trägt mehr Wasser als kalte. Wird ein Raum aufgeheizt und dabei Feuchte freigesetzt — durch Atmen, Kochen, Wäsche, eine Dusche nebenan —, steigt der absolute Wassergehalt der Luft. Kühlt die Luft an einer Außenwand, hinter einem Schrank oder in einer Fensterlaibung wieder ab, fällt sie unter den Taupunkt und gibt das Wasser dort ab. Ein Raum, der nur abends warm ist, durchläuft dieses Wechselspiel jeden Tag.
Für den Betrieb folgen daraus drei Regeln, die einer Elektroheizung dieselbe Aufmerksamkeit abverlangen wie jeder anderen. Erstens: Auch selten genutzte Räume bekommen eine Grundtemperatur — 15 bis 16 °C statt aus, weil eine ausgekühlte Wand die Kondensationsfläche selbst ist. Zweitens: Nach dem Aufheizen wird stoßgelüftet, nicht gekippt; ein gekipptes Fenster kühlt die Laibung aus und tauscht dabei wenig Luft. Drittens: Möbel und Vorhänge brauchen Abstand zur Außenwand, sonst entsteht hinter ihnen genau die kalte, unbelüftete Fläche, die das Wasser aufnimmt.
Der Punkt ist für die Systemwahl wichtiger, als er wirkt. Eine Direktheizung ist dort im Vorteil, wo selten und kurz geheizt wird — und genau dort ist das Feuchterisiko am größten. Wer eine Wohnung vollständig elektrisch beheizt und aus Kostengründen einzelne Räume abschaltet, spart am Zähler und bezahlt es an der Wand. Die ehrliche Rechnung enthält deshalb eine Grundtemperatur für jeden Raum, auch für die, in denen niemand sitzt.
Ein einfaches Hygrometer für wenige Euro macht das Ganze überprüfbar. Zwischen 40 und 60 Prozent relativer Luftfeuchte ist der Bereich, in dem weder die Schleimhäute leiden noch die Wand gefährdet ist; dauerhaft über 65 Prozent in einem Raum mit kalten Außenwänden ist das Signal, die Grundtemperatur anzuheben statt weiter zu lüften.
Wer eine Wohnung dauerhaft elektrisch beheizt, sollte diesen Wert an der kritischsten Stelle messen und nicht in der Raummitte: hinter dem Schrank an der Außenwand, in der Fensterlaibung, im Bad nach dem Duschen. Dort entscheidet sich, ob das Heizkonzept aufgeht.
Häufige Fragen
Ist eine Elektroheizung wirklich zu 100 Prozent effizient?
Am Gerät ja: Jede aufgenommene Kilowattstunde wird zu Wärme. Das sagt aber nichts über die Kosten. Eine Wärmepumpe nimmt dieselbe Kilowattstunde und macht daraus drei bis vier, weil sie Umweltwärme dazuholt statt sie zu erzeugen.
Lohnt sich ein Nachtspeicherofen noch?
Nur mit einem echten Zweitarifzähler und einem deutlich günstigeren Nachttarif. Diese Tarife sind selten geworden. Ohne sie heizt der Ofen zum vollen Arbeitspreis und speichert die Wärme dabei auch noch mit Verlusten über den Tag.
Welche Elektroheizung passt in ein Gästezimmer?
Ein Konvektor oder ein Infrarotpaneel mit eigenem Thermostat und Wochenprogramm. Beide sind sofort einsatzbereit, brauchen keine Leitung und kosten nur, wenn der Raum tatsächlich genutzt wird — genau der Fall, in dem eine Direktheizung wirtschaftlich ist.
Wie viel Watt braucht ein Raum?
60 bis 100 Watt je Quadratmeter Wohnfläche, je nach Dämmstandard. Ein 20-Quadratmeter-Zimmer im Bestand liegt damit bei rund 1.800 Watt — mehr, als eine einzelne Schutzkontaktsteckdose dauerhaft komfortabel trägt, wenn noch anderes am Kreis hängt.
Kann man mit Photovoltaik elektrisch heizen?
In der Übergangszeit und stundenweise ja. Im Dezember und Januar liefert eine Hausanlage einen Bruchteil des Bedarfs, während der Wärmebedarf am größten ist. Als Ganzjahreslösung trägt die Rechnung nicht; als Zusatznutzung von Überschussstrom im Frühjahr sehr wohl.