Vier Größen entscheiden, nicht der Gerätetyp
Jeder Vergleich von Heizsystemen beginnt an derselben Stelle: beim Gebäude, nicht beim Gerät. Dieselbe Wärmepumpe, die in einem gedämmten Neubau hervorragend arbeitet, ist im ungedämmten Altbau mit alten Heizkörpern ein teurer Fehlgriff — und umgekehrt.
- Wärmebedarf je Quadratmeter. Zwischen 40 und 280 Kilowattstunden im Jahr, je nach Baujahr und Sanierungsstand. Der Faktor sieben zwischen den Extremen ist größer als jeder Unterschied zwischen Anlagentypen.
- Vorlauftemperatur. Sie entscheidet, welche Systeme überhaupt in Frage kommen. Unter 45 Grad steht alles offen; über 65 Grad bleiben Verbrennung und Direktheizung.
- Bauliche Möglichkeiten. Platz für eine Außeneinheit, ein Bohrpunkt, ein Schornstein, ein Lagerraum, eine ausreichende Dachfläche.
- Nutzungsdauer. Eine Heizung läuft zwanzig Jahre. Die Betriebskosten dieser Nutzungsdauer übersteigen die Anschaffung bei jedem System um ein Vielfaches.
Die Systeme nebeneinander
| System | Anschaffung, EFH | Vorlauf | Wärme je kWh Energie | Setzt voraus |
|---|---|---|---|---|
| Luft-Wasser-Wärmepumpe | 18.000–32.000 € | 35–50 °C | 3,0–4,0 kWh | niedrige Vorlauftemperatur, Aufstellplatz |
| Sole-Wasser-Wärmepumpe | 25.000–45.000 € | 35–45 °C | 3,5–4,5 kWh | Bohrung oder Kollektorfläche, Genehmigung |
| Gas-Brennwert | 8.000–15.000 € | 40–70 °C | ca. 1,0 kWh | Gasanschluss, geeigneter Schornstein |
| Pelletkessel | 20.000–35.000 € | 50–70 °C | ca. 0,9 kWh | Lagerraum, Schornstein, Anlieferung |
| Direktheizung Strom | 1.000–4.000 € | entfällt | 1,0 kWh | ausreichende Absicherung |
| Solarthermie, ergänzend | 4.500–12.000 € | 30–60 °C | Ertrag statt Umwandlung | Dachfläche, Speicherplatz |
Die vierte Spalte ist die aussagekräftigste. Sie sagt, wie viel Wärme aus einer Einheit gekaufter Energie wird — und dort trennen sich die Systeme deutlicher als beim Preis. Eine Wärmepumpe holt Umweltwärme dazu, eine Verbrennung wandelt um, eine Direktheizung tut nur letzteres ohne jeden Faktor.
Wärme je Kilowattstunde eingekaufter Energie nach Anlagentyp
Betriebskosten je Jahr, alle Systeme aus einem Satz Eingaben
Wärmebedarf 13.000 kWh im Jahr — 100 kWh je Quadratmeter.
Der Weg zur Entscheidung
Statt Systeme zu vergleichen, ist es zielführender, das Gebäude zu befragen. Drei Messungen genügen, und keine davon kostet etwas.
Erstens die reale Vorlauftemperatur. An einem kalten Tag die Heizkurve schrittweise senken, bis der ungünstigste Raum die Solltemperatur nicht mehr hält. Der letzte funktionierende Wert ist der Auslegungspunkt — meist deutlich niedriger als der eingestellte, weil die Einstellung aus der Zeit vor Fenstertausch und Dachdämmung stammt.
Zweitens der Verbrauch je Quadratmeter. Jahresverbrauch aus der Abrechnung, geteilt durch die beheizte Fläche. Der Wert ordnet das Gebäude in die Tabelle oben ein und zeigt zugleich, ob die Anlage über oder unter dem liegt, was der Bauzustand erwarten lässt.
Drittens die kritischen Räume. Meist sind es zwei oder drei, die den hohen Vorlauf erzwingen. Werden nur dort die Heizflächen vergrößert, sinkt die Auslegungstemperatur für das ganze Haus — und damit die Liste der möglichen Systeme.
Was vor dem Anlagentausch kommt
Zwei Maßnahmen wirken unabhängig davon, welches System später eingebaut wird, und beide sind vergleichsweise günstig.
- Hydraulischer Abgleich. Er stellt an jedem Heizkörper den Volumenstrom ein, den der Raum braucht. Ohne ihn versorgt die Pumpe die nahen Kreise im Überfluss, die fernen zu knapp, und die Vorlauftemperatur muss für den ungünstigsten Fall hochgefahren werden. Kosten im Einfamilienhaus: 650 bis 1.200 Euro, einmalig.
- Absenken der Heizkurve. Kostet nichts und wirkt sofort. Jedes Grad weniger Vorlauf spart bei einer Verbrennung wenige Prozent, bei einer Wärmepumpe rund zweieinhalb.
- Dämmung der obersten Geschossdecke. Bei begehbaren Dachböden häufig die günstigste bauliche Maßnahme überhaupt, gemessen an der eingesparten Kilowattstunde.
- Rohrleitungen im unbeheizten Keller dämmen. Eine Nachmittagsarbeit mit messbarem Ergebnis.
Kombinationen, die im Bestand funktionieren
- Wärmepumpe plus vorhandener Gaskessel. Die Wärmepumpe deckt den Großteil des Jahres, der Kessel springt an den wenigen sehr kalten Tagen ein. Vermeidet die teure Auslegung auf den Extremfall.
- Solarthermie plus beliebiger Wärmeerzeuger. Deckt das Warmwasser von Mai bis September fast vollständig und entlastet damit genau den Betriebspunkt, in dem jede Anlage am ineffizientesten arbeitet.
- Flächenheizung im Neubauteil, Heizkörper im Bestand. Getrennte Kreise mit eigenem Mischer, damit die niedrige Vorlauftemperatur des einen nicht vom anderen erzwungenermaßen angehoben wird.
- Infrarot als Zuheizung. Für Räume mit wenigen Betriebsstunden, in denen sich eine eigene Heizfläche am Wasserkreis nicht lohnt.
Was sich zuerst rechnet
Wer eine Reihenfolge braucht statt einer Systemwahl, kommt mit dieser gut zurecht: erst der hydraulische Abgleich und die abgesenkte Heizkurve, dann die Hülle dort, wo sie am dünnsten ist, dann die Heizflächen in den zwei bis drei kritischen Räumen — und erst danach der Wärmeerzeuger. Jeder Schritt senkt den Bedarf, und jeder gesenkte Bedarf macht das nächste Gerät kleiner und billiger.
Die umgekehrte Reihenfolge ist der übliche Fehler: ein neues Gerät auf ein unverändertes Netz gesetzt, ausgelegt auf die alte Vorlauftemperatur. Es arbeitet dann genau so schlecht wie das, was es ersetzt hat — nur teurer in der Anschaffung.
Pellet und Scheitholz: wann Biomasse passt
Ein Pelletkessel arbeitet wie ein Öl- oder Gaskessel, nur mit gepresstem Holz als Brennstoff. Er kommt mit hohen Vorlauftemperaturen zurecht und ist damit eines der wenigen Systeme, die einen ungedämmten Altbau mit alten Heizkörpern ohne Umbau übernehmen können.
Der Preis dafür ist Platz und Aufwand. Der Kessel braucht einen Lagerraum von sechs bis zehn Kubikmetern für den Jahresbedarf eines Einfamilienhauses, eine Anlieferung per Silofahrzeug mit ausreichendem Zugang, einen geeigneten Schornstein und eine jährliche Reinigung samt Ascheentsorgung. Ein Scheitholzkessel kostet weniger, verlangt aber tägliches Nachlegen — das ist keine Nebensache, sondern eine Entscheidung über den Alltag der nächsten zwanzig Jahre.
Wirtschaftlich hängt alles am Pelletpreis, der in den letzten Jahren deutlich schwankte. Wer Biomasse wählt, sollte den Vergleich mit einem für ihn realistischen Preisband rechnen, nicht mit dem Tageswert.
Der rechtliche Rahmen, kurz eingeordnet
Das Gebäudeenergiegesetz stellt Anforderungen an den Anteil erneuerbarer Energien beim Einbau einer neuen Heizung. Wann sie für ein einzelnes Gebäude greifen, hängt an der kommunalen Wärmeplanung — die Fristen unterscheiden sich zwischen großen und kleineren Gemeinden, und maßgeblich ist der Stand zum Zeitpunkt des Einbaus.
Zwei Punkte sind davon unabhängig stabil. Bestehende Anlagen dürfen weiterbetrieben und repariert werden; eine Austauschpflicht knüpft an das Alter des Kessels und an Ausnahmen für selbst bewohnte Ein- und Zweifamilienhäuser an. Und Förderung wird vor dem Auftrag beantragt, nicht danach — diese Reihenfolge kostet regelmäßig Geld, wenn sie umgedreht wird.
Verbindliche Auskunft geben die Energieberatung und die zuständige Kommune, nicht der Anbieter des Geräts. Wer vorher den eigenen CO₂-Ausstoß abschätzen will, findet beim WWF einen Rechner zu deinem CO2-Fußabdruck. Wer eine Entscheidung über zwanzig Jahre trifft, holt sie vor dem Angebot ein.
Fernwärme: das System ohne eigene Anlage
In der Tabelle oben fehlt bewusst eine Zeile, weil sie sich nicht danebenstellen lässt: Fernwärme ist kein Wärmeerzeuger im Haus, sondern ein Anschluss. Wie ein Wärmenetz technisch aufgebaut ist, beschreibt dieser Überblick über kollektive Wärmeversorgung für ganze Wohnviertel. Statt Kessel oder Wärmepumpe steht eine Übergabestation im Keller — ein Wärmetauscher mit Zähler, etwa so groß wie ein Schrank und ohne Verbrennung, ohne Schornstein, ohne Brennstofflager.
- Was entfällt: Wartung eines Brenners, Schornsteinfeger, Brennstoffeinkauf, Aufstellfläche, Geräusch.
- Was hinzukommt: ein Anschlussvertrag mit langer Laufzeit, ein Grundpreis unabhängig vom Verbrauch und die Preisbildung des einen Versorgers, der das Netz betreibt.
- Wo es geht: nur dort, wo eine Leitung liegt. Die kommunale Wärmeplanung sagt, welche Gebiete vorgesehen sind und wann — das ist die Auskunft, die vor jeder Kesselentscheidung eingeholt wird.
- Anschlusszwang: manche Kommunen schreiben den Anschluss in Satzungen vor. Wo das gilt, entscheidet sich die Systemfrage nicht am Küchentisch.
Der wirtschaftliche Vergleich ist unangenehm schwierig, weil ein Grundpreis plus Arbeitspreis gegen eine Investition plus Betriebskosten steht. Belastbar wird er erst über die gesamte Nutzungsdauer und mit den tatsächlichen Preisblättern des örtlichen Versorgers, nicht mit Durchschnittswerten.
Hybrid: zwei Erzeuger, ein Kreis
Im Bestand ist die Kombination oft der pragmatischste Weg. Eine Wärmepumpe übernimmt den größten Teil des Jahres, ein vorhandener Gaskessel deckt die wenigen sehr kalten Tage. Der Vorteil liegt nicht in der Technik, sondern in der Auslegung: Die Wärmepumpe muss nicht auf den Extremfall dimensioniert werden, was sie kleiner und billiger macht und das Takten in der Übergangszeit vermeidet.
Zwei Bedingungen entscheiden über den Erfolg. Erstens muss die Regelung nach Betriebskosten umschalten und nicht nach einer festen Außentemperatur, sonst springt der Kessel an, wenn die Wärmepumpe noch günstiger arbeitet. Zweitens braucht es einen Punkt im Kreis, an dem beide einspeisen, ohne sich gegenseitig den Volumenstrom zu nehmen — üblicherweise ein Pufferspeicher oder eine hydraulische Weiche.
Der Nachteil ist genauso klar: zwei Anlagen bedeuten zwei Wartungen, zwei Verschleißketten und den weiterlaufenden Schornsteinfegertermin. Als Dauerzustand ist Hybrid teurer als eine gut ausgelegte Einzelanlage; als Weg über die nächsten Jahre, während die Hülle Schritt für Schritt besser wird, ist er häufig der einzige, der ohne Komplettsanierung funktioniert.
Was der Energieausweis beiträgt
Vor jeder Systementscheidung steht die Frage, wie viel Wärme das Gebäude überhaupt braucht. Der Energieausweis gibt darauf eine Antwort, aber je nach Art eine unterschiedlich belastbare.
Der Verbrauchsausweis rechnet die Abrechnungen der letzten drei Jahre um. Er beschreibt damit das Verhalten der Bewohner mindestens so sehr wie das Gebäude: Ein sparsamer Haushalt in einem schlechten Haus bekommt einen besseren Wert als eine große Familie in einem guten. Der Bedarfsausweis rechnet dagegen aus Bauteilen, Flächen und Anlagentechnik, unabhängig davon, wer darin wohnt. Für eine Systementscheidung ist nur dieser zweite brauchbar.
Beide sind aber Rechenwerte und ersetzen keine Heizlastberechnung nach DIN EN 12831. Erst diese sagt, wie viel Leistung ein einzelner Raum an einem kalten Tag braucht — die Zahl, nach der die Heizfläche und der Erzeuger tatsächlich ausgelegt werden. Wer ein Angebot einholt, das ohne Heizlastberechnung eine Kesselgröße nennt, bekommt eine Schätzung, und Schätzungen fallen bei Wärmeerzeugern erfahrungsgemäß nach oben aus.
Eine Energieberatung durch eine für die Bundesförderung zugelassene Person kostet einen Bruchteil der Anlage, wird selbst bezuschusst und liefert genau diese Rechnung — mitsamt einem Sanierungsfahrplan, der die Reihenfolge festlegt. Bei einer Entscheidung dieser Tragweite ist das die günstigste Position im ganzen Projekt.
Eines gilt für jede der hier verglichenen Anlagen: Die Entscheidung wird einmal getroffen und danach über die gesamte Nutzungsdauer bezahlt. Zwei Wochen mehr Vorbereitung fallen daneben nicht ins Gewicht.
Wenn die Heizung im Winter ausfällt
Jede Systemfrage sieht anders aus, sobald sie an einem Januarabend gestellt wird. Ein Ausfall lässt keine Zeit für Vergleiche, und die Entscheidung, die dann getroffen wird, hält oft fünfzehn Jahre. Deshalb gehört zur Systemwahl auch die Frage, was im Störfall passiert.
Die erste Stufe ist die Eingrenzung, und sie kostet nichts. Steht die ganze Anlage oder nur ein Teil des Hauses? Ist Warmwasser noch da, während die Heizkörper kalt bleiben — dann arbeitet der Erzeuger und die Verteilung nicht. Zeigt das Gerät einen Störcode, steht der Anlagendruck im grünen Bereich, hat der Brennstoff- oder Stromkreis eine Sicherung verloren? Diese vier Fragen entscheiden, ob der Notdienst am selben Abend kommen muss oder ob es bis zum nächsten Werktag Zeit hat — ein Unterschied, der beim Rechnungsbetrag deutlich sichtbar wird.
Die zweite Stufe ist die Übergangswärme, und hier ist ein Stromgerät fast immer die Antwort: Ein Heizlüfter oder ein Konvektor hält einen Raum warm und schützt vor Frostschäden. Zwei Grenzen gehören dazu. Die Absicherung: Zwei 2 000-Watt-Geräte an einem Stromkreis lösen die Sicherung aus, weil ein üblicher Kreis bei rund 3 600 Watt endet. Und das Wasser: Bei längerem Ausfall unter null Grad friert nicht der Raum zuerst, sondern die Leitung in der Außenwand.
Für die Systemwahl heißt das: Ein Erzeuger, für den es im Ort keinen Notdienst gibt, ist eine andere Entscheidung als ein verbreitetes Gerät mit lagernden Ersatzteilen. Und eine Hybridlösung mit zwei Erzeugern hat neben der Effizienz ein zweites Argument, das erst im Störfall sichtbar wird — fällt einer aus, ist das Haus nicht kalt.
Wer die Anlage ohnehin tauscht, klärt diese Punkte vorher mit dem Betrieb: Reaktionszeit im Störfall, Ersatzteilversorgung und ob der Erzeuger im Notbetrieb ohne Regelung laufen kann. Das steht in keinem Datenblatt und entscheidet an einem einzigen Abend im Jahr über den Unterschied zwischen einer Unannehmlichkeit und einem Schaden.
Häufige Fragen
Welches Heizsystem ist das günstigste?
Über die Anschaffung eine Gastherme oder eine Direktheizung. Im Betrieb entscheidet das Verhältnis der Energiepreise zueinander: bei 7 Cent je Kilowattstunde Pellet liegt der Umschlagpunkt bei rund 27 Cent Strom für die Luft-Wärmepumpe und rund 31 Cent für die Sole-Anlage. Darunter zieht die Wärmepumpe davon, darüber liegt der Pelletkessel im Betrieb vorn — gegenüber Gas und Direktheizung gewinnen beide. Der Vergleich entscheidet sich nicht am Gerätepreis, sondern am Produkt aus Wärmebedarf, Arbeitszahl und Energiepreis.
Woran erkenne ich, ob mein Haus für eine Wärmepumpe taugt?
An der Vorlauftemperatur, mit der es an einem kalten Tag auskommt. Senken Sie die Heizkurve schrittweise, bis ein Raum die Solltemperatur nicht mehr hält. Liegt der letzte funktionierende Wert bei 55 Grad oder darunter, ist der Betrieb mit vertretbarer Arbeitszahl möglich.
Was ist wichtiger — neue Anlage oder Dämmung?
In den meisten Fällen die Hülle, weil sie den Bedarf senkt statt ihn effizienter zu decken. Zwei Ausnahmen: ein Kessel jenseits der zwanzig Jahre und ein hydraulisch nie abgeglichenes System. Beides lohnt sofort, unabhängig vom Dämmstandard.
Lohnt sich ein hydraulischer Abgleich wirklich?
Er ist die Maßnahme mit dem besten Verhältnis von Aufwand zu Wirkung im gesamten Heizsystem. Er senkt die nötige Vorlauftemperatur, verhindert takten und ist Voraussetzung für die meisten Förderprogramme sowie für den effizienten Betrieb einer Wärmepumpe.
Kann man Systeme kombinieren?
Ja, und im Bestand ist das oft der pragmatische Weg. Verbreitet sind Wärmepumpe plus vorhandener Gaskessel als Spitzenlastabdeckung, Solarthermie für das Warmwasser neben jedem beliebigen Wärmeerzeuger, und Infrarot als Zuheizung in einzelnen selten genutzten Räumen.